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Lug und Trug

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDer Bund Deutscher Radfahrer ist plötzlich ganz still. Und, wen wundert es, sein Präsident auch. Dieser heisst Rudolf Scharping und scheint sich seit geraumer Zeit als so etwas wie eine moralische Institution im Profiradsport zu betrachten.

Wenn man seine Äußerungen der letzten Monate bezüglich der Dopingdiskussion im Profiradsport im Allgemeinen, und zu Jan Ullrich im Besonderen zu Ohren bekam, hatte man den Eindruck es mit einem immer und ausnahmslos gemäss hehren Werten handelnden Mann zu tun zu haben.

Der Mann, der noch als Verteidigungsminister, wie seit langem kolportiert wird, manipulierte Beweise für eine angeblich notwendige deutsche Beteiligung für den Kriegseinsatz der deutschen Bundeswehr in Jugoslawien lieferte, Bilder von angeblichen Massakern an der Zivilbevölkerung, von angeblich zerstörten Dörfern, der den zu keiner Zeit existenten Operationsplan "Hufeisen" präsentierte, einen angeblichen Plan der Serben zur Vertreibung der Kosovaren und der hierfür ebenfalls manipulierte Fotos vorlegte, dieser Mann bezeichnet dann einige Jahre später Doping im Profiradsport als höchst unmoralisch und unethisch.

Als Manipulation, der mit allen zur Verfügung stehenden staatlichen und juristischen Mitteln das Handwerk zu legen sei.

Ganz besonders scharf wendet sich Rudolf Scharping gegen Jan Ullrich. Dabei hat sich der gleiche Rudolf Scharping bis vor kurzem noch im Glanze von Deutschlands beliebtestem Radsport-Star gesonnt, hat sich sogar mit eigens selbst mitgebrachten Fotografen gemeinsam mit Jan Ullrich ablichten lassen.

Nachdem Dopingvorwürfe gegen Jan Ullrich bekannt wurden, hat Rudolf Scharping den Stab über den sympathischen Radrennstar sofort gebrochen, hat ihn zur Persona non grata erklärt, in Deutschland, und vor allem beim Bund Deutscher Radfahrer.

Jan Ullrich selbst, bis heute weder angeklagt noch verurteilt, und bei der weitaus grössten Zahl der Deutschen noch dazu auch weiterhin sehr beliebt ist, sagt über Rudolf Scharping, dass es wahnsinnig schlecht für den Radsport sei, wenn er solche Präsidenten hat. Präsidenten, die den Sport nicht lieben, sondern sich aus persönlichen Motiven profilieren.

Dem müsste man vor dem Hintergrund der neuesten Ereignisse eigentlich auch nicht noch etwas hinzufügen, wenn da nicht doch einige unbequeme Fragen auftauchen würden. Nein, Herr Rudolf Scharping, nicht wegen Ihrer unsäglichen Rolle als Verteidigungsminister im Jugoslawienkrieg.

Dort sind ja sowieso, wie man vor kurzem erfahren musste, durch einen wirklich dummen Zufall alle geheimdienstlichen Unterlagen schwuppdiwupp und plötzlich weg gewesen. Wer will da denn Böses denken, solche Zufälle gibt es halt ganz einfach einmal.

Im Zusammenhang mit den neuesten Ereignissen bei der Tour de France frage ich, genauso wie viele andere, wo ist eigentlich der werte Rudolf Scharping abgeblieben. Wieso sagt der denn jetzt eigentlich nichts, obwohl man mittlerweile die Äusserung von Jan Ullrich, dass er nicht betrogen habe, durchaus als bare Münze nehmen kann. Denn, so wie es ausschaut, gehört Doping zu diesem mörderischen Sport anscheinend genauso dazu wie ab und an Lug und Trug in der Politik.

Aber vielleicht schwimmt Rudolf Scharping ja wieder einmal in einem Swimming-Pool auf Mallorca, so wie damals, als man ihn kurz vor der Bundestagswahl 2002 entlassen hat. Denn da ließ er sich für die Zeitschrift Bunte mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve im Swimming-Pool ablichten, während zeitgleich die Bundeswehr unmittelbar vor einem Einsatz in Mazedonien stand.



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