Van der Schäbig
Rafael van der Vaart heisst der Mann, und er darf sich derzeit mit dem wenig gewinnbringenden Titel meistgehaßter Bundesliga-Fußballer Hamburgs, wenn nicht sogar Deutschlands rühmen.
Eigentlich lautet sein Name nun nicht mehr Van der Vaart, sondern Van der Verrat, beim Uefa-Cup Qualifikationsspiel des Hamburger Sportvereins in Budapest skandierten die eigenen Anhänger auf den Tribünen sogar Van der Vaart – Hochverrat.
Nicht minder verhasst, ebenfalls vor allem im Norddeutschen, genauer in Bremen, ist der deutsche Nationalspieler Miroslav Klose. In Bremen tragen Fans Trikots statt mit seinem Namen nur noch mit dem Namenszug Klo$e, mit einem Dollarzeichen, statt dem S.
Anhand dieses Dollarzeichen können Sie, verehrte Leser, wenn Sie es nicht sowieso schon aus den Medien erfahren haben, herauslesen, worum es eigentlich heute geht. Es geht um hehre Werte, die da lauten, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertragstreue, sein Wort halten, um Verhaltensethik und Moral eben.
Die Beispiele Van der Vaart und Klose sind leider nur die Spitze eines Eisberges, sie sind nach Auffassung eines Kolumnisten jedoch beide hervorragend dazu geeignet geradezu beispielgebend die zumindest teilweise Verkommenheit menschlichen Daseins im Profifußball zu veranschaulichen.
Ein Spieler wechselt zu einem anderen Verein, erhält dort einen Vertrag meist zu wesentlich besseren Konditionen, weshalb ein Wechsel auch verständlich ist. Insbesondere, da es sich bei Spielern wie Van der Vaart und Klose um Einkünfte von mehreren Millionen Euro pro Jahr handelt.
Nun ist der Spieler gewechselt, muss ab dann genauso wie sein Vertragspartner, dies ist sein Fußballverein als Arbeitgeber, seinen Vertrag erfüllen. Dieser geht in der Regel über mehrere Jahre, der Spieler stellt aufgrund seines Ablösewertes in der Bilanz seines Vereins ein wichtiges Kriterium dar.
Andere Vereine dürfen keinen Kontakt zu Spielerberater oder zum Spieler direkt aufnehmen, so lautet es in den Statuten des Weltfußballverbandes, der Fifa. Sofern ein Fußballclub Spieler eines anderen während der Vertragslaufzeit abwerben möchte, muß dieser sich zunächst an den Arbeitgeber des Spielers wenden.
Und dieser Arbeitgeber muß dann den erwünschten Abwerbe- und Vertragsverhandlungen erst einmal zustimmen, sonst darf mit dem Spieler gar nicht erst geredet werden. Soweit so gut. Also könnte eigentlich alles in Butter sein. Ist es aber nicht.
Denn, beraten werden Profifußballer zumeist von Managern,welche an jedem Wechsel mit zehn Prozent der Ablösesummen beteiligt werden. Je weiter das Vertragsende noch fern ist, desto höher ist logischerweise eine Ablösesumme, und desto mehr verdienen diese Spielerberater also auch mit.
Und genau an dieser Stelle beginnt das schmutzige Spiel. Da Geld den menschlichen Charakter bekanntlicherweise korrumpiert, spinnen die Spielerberater im Hintergund genau die Fäden, in denen sich dann die eingangs erwähnten hehren Tugenden verfangen.
Die Spieler, deren Charakter anfällig dafür sind, spielen sodann mit ihrem Arbeitgeber ein schmutziges Spiel. Klose und Van der Vaart zum Beispiel. Im Falle des Van der Vaart wurde aus dem schmutzigen Spiel sogar noch ein besonders fieses und hinterhältiges.
Eines, das die Fifa im Grunde mit einer mehrjährigen Sperre gegen diesen Spieler ahnden müsste, verbunden mit einer Schadenersatzzahlung an den geschädigten Verein, und zwar in Höhe des erlittenen Verlustes.
Mit einer geradezu lächerlichen Ausrede verweigerte dieser nämlich seinen Einsatz beim Europapokalspiel in Budapest, ein Spiel bei dem es für seinen Arbeitgeber um Millionen ging. Er hätte sich an seinem Sohn verhoben, einem Säugling wohlgemerkt, und deshalb könne er nicht spielen. Welch eine Schweinerei.
Die logische Folge des linken Spiels, das Ansehen des Fußballs sinkt, die Vorbildfunktion eines Fußballstars sorgt für Nachahmer bereits beim Nachwuchs, bei den Fans entlädt sich Haß und Wut. Im Falle von Van der Vaart trifft es auch seine Ehefrau, die angsichts übler Beschimpfungen und angeblicher Morddrohungen unter der Situation leidet.
Die Reaktionen der Fans sind durch nichts zu entschuldigen, ganz klar. Jedoch, Rafael van der Vaart ist mit seinem schäbigen Verhalten maßgeblich verantwortlich dafür. Wer die Geldgier über alles andere stellt, wie dies Van der Vaart und seine Berater tun, der darf sich dann auch nicht wundern, wenn derartige Reaktionen erfolgen.
In einer Branche wie dem Profifußball, welcher vor allem von dem Geld und den Emotionen genau der Fans lebt, denen Van der Vaart mit seinem schmutzigen Verhalten so übel mitgespielt hat.
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