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Nachruf



Ein großer Mann ist tot. Nein, ein ganz großer sogar, und ich fürchte, daß dies untergehen wird in unserer doch so oberflächlichen Zeit. Dabei ist es schier unmöglich das Lebenswerk dieses Mannes in meinen wenigen Zeilen festzuhalten.

Dem Mann, Carl Friedrich von Weizsäcker, dem Willy Brandt 1979 sogar das Amt des Bundespräsidenten der damaligen Bundesrepublik Deutschland anbot. Allein, der Mann lehnte ab, seine Bruder hingegen nahm 5 Jahre später dann dieses höchste Staatsamt unseres Landes an. Dennoch überragte Carl Friedrich von Weizsäcker seinen ebenfalls großen Bruder auch ohne dieses Amt bei weitem.

Er, der noch im zweiten Weltkrieg den Bau der deutschen Atombombe vorantreiben wollte, ermahnte in den Jahrzehnten nach dem Schrecken dieses Krieges die Mächtigen unserer Welt zu einer besseren Verhaltensethik.

Er war Mitglied der sogenannten Göttinger 18, ein Zusammenschluß der renommiertesten Atomforscher unseres Landes, die sich am 12. April 1957 in der noch lange in Erinnerung bleibenden Göttinger Erklärung gegen die damals von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß angestrebte Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen wandten.

Als Physiker, der er immer war und als Philosoph, der er immer mehr wurde, beschäftigte er sich mit dem biologischen und sozialen Ursprung des Menschen genauso wie dem Versuch die Unwägbarkeiten der Quantenphysik zu durchdringen.

Er leitete eine Forschungsstelle für Kriegsverhütung und der Ernährungslage unserer Welt, er hatte den Vorsitz im Verwaltungsrat des Deutschen Entwicklungsdienstes inne und ihm zu Ehren wurde das Max-Planck-Institut gegründet, als dessen Leiter er sich gemeinsam mit dem Philosphen Jürgen Habermas mit Fragen der Kriegsverhütung und Entwicklungspolitik, sowie mit Fragestellungen der Wissenschaftsphilosophie und Sozialpolitik beschäftigte.

Seine Aufgabe sah Carl Friedrich von Weizsäcker darin die Lebensbedingungen unserer Welt zu erforschen. Begriffe wie Wissenschaft und politische Moral waren seiner Auffassung nicht zu trennen, nicht zuletzt deshalb beschäftigte er sich schon in den Anfangsjahren der Informationstechnik und der Genmanipulation mit den Risiken einer globalisierten Welt.

Neben zahlreichen anderen hohen Auszeichnungen erhielt er 1989 die weltweit höchste Auszeichnung, die überhaupt an einzelne Personen vergeben wird. Es ist dies ein Preis, den nicht sehr viele Menschen kennen. Ein Preis, der die Verdienste von ganz besonderen Menschen würdigt, die die Verbindung zwischen der Wissenschaft auf der einen und der Religion auf der anderen Seite zu untermauern vermochten.

Man nennt ihn den Templeton-Preis für "Progress in Religion", benannt nach seinem Namensgeber, der einen der weltweit größten Investmentfonts gründete. Alexander Solschenizyn erhielt ihn, der berühmte russische Schriftsteller und Nobelpreisträger in Literatur. Und der berühmteste aller indischen Präsidenten, Sarvepalli Radhakrishnan, der noch heute als der bedeutenste aller Religionsphilosophen gilt.

Aber der berühmteste aller Preisträger ist eine Preisträgerin gewesen. Ihre Name ehrte ihn,
Carl Friedrich von Weizsäcker in ganz besonderer Weise. Es war dies eine Heilige unserer Zeit.
Sie war Friedensnobelpreisträgerin. Sie wurde von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Die Heilige der Slums wurde sie genannt. Ihr Name war Agnes Gonxha Bojaxhiu, uns allen
jedoch besser bekannt als Mutter Theresa.

Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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