Ein einziger Tropfen Öl
Die balearischen Inseln scheinen im laufenden Jahr unter keinem guten Stern zu stehen. Neben vielen Millionen Quallen und den soeben an mehreren Stellen der Insel Mallorca in Erscheinung tretenden Petermännchen, einem bis zu einem halben Meter langen Fisch, der aufgrund seiner Giftstacheln zu den giftigsten Tieren in Europa überhaupt zählt, kommt jetzt die nächste Katastrophe auf uns zu.
Genauer auf unsere Schwesterinsel Ibiza, Mallorca scheint, vorerst zumindest, von diesem Umweltschrecken verschont. Öl treibt auf die Strände Ibiza's zu. Öl von dem vor einigen Tagen havarierten Tanker, der in nur etwa zwei Kilometer Abstand zur Küste Ibiza's auf einen Felsen aufgelaufen war.
Der Tanker liegt nun auf dem Meeresboden, bis zu eindhundertfünfzig Tonnen Rohöl verseuchen wohl auch noch die nächsten Wochen die Umwelt auf den Balearen. Von offizieller Seite wiegelt man zwar schon ab, in Anführungsstrichen nur fünfhundert Meter von achtzehn Kilometer Strand sollen bis jetzt ölverschmutzt sein.
Aber dies kennt man ja. Es geht wie immer um viel Geld, eine Partyinsel mit Öl, das will niemand hören, schon gar nicht der potentielle Urlauber. Erhebliche Sorgenfalten stehen nun den Verantwortlichen auf der Stirn.
Klarerweise ist auch der neue Chef der Balearenregierung, Ministerpräsident Antich, involviert, denn dieser Vorgang ist durchaus dramatisch, allen schon fast beschwörenden Kommentaren der Lokalpolitik auf Ibiza zum Trotz.
Wir alle haben einmal gehört, wieviel Wasser nur ein einziger Tropfen Öl verseuchen und jedes Leben darin absterben lassen kann. Eintausend Liter Wasser sind dies genau, die ein einziger Tropfen Öl verschmutzt. Dies kann man sich kaum vorstellen, weil wir doch alle tagtäglich mit Öl zu tun haben, wie köstlich können doch einige Tropfen Olivenöl sein. Oder auch viel mehr davon.
Aber das ist etwas völlig anderes. Pflanzliche Öle sind nicht giftig, höchstens wenn man sie über Gebühr erhitzt. Hier jedoch geht es um die sogenannten mineralischen Öle, Rohöl oder Schweröl ist damit gemeint.
Das zunächst einmal gute an allen Ölen, sie schwimmen auf dem Wasser. Daher kann man bei einer Havarie, wie der soeben vor Ibiza erlebten, mit Spezialschiffen das Öl normalerweise auch ganz gut absaugen. Sofern man es noch sieht, was dann nicht mehr der Fall ist, wenn es sich in Milliarden von Tropfen aufgelöst hat und dann mit den jeweiligen Strömungen das Weite sucht.
Gefährlich ist es dann aber mindestens genauso, als wenn es auf einem einzigen Haufen schwimmen würde. Eher trifft sogar das Gegenteil zu. Diese mineralische Öle enthalten nämlich einen ganzen Cocktail voller giftiger Stoffe.
Wir alle haben irgendwo schon einmal Begriffe wie Kohlenwasserstoffe, Benzol, etc. gehört. Und diese genau sind hochgiftig. Aromatische und chlorierte Kohlenwasserstoffe, so nennt man sie genau. Zahllose Varianten existieren davon und das besonders teufliche an diesen Verbindungen, diese Giftstoffe lösen sich in Wasser auf, zumindest teilweise.
Sie sind nur äusserst schwierig abbaubar, schädigen alle im Wasser lebenden Mikroben und zerstören damit die Selbstreinigungskraft des Wassers. Von dieser hört man zum Beispiel auch immer im Zusammenhang mit biologischen Reinigungsstufen einer Kläranlage.
Derart verseuchtes Trinkwasser ist völlig ungeniessbar, selbst wenn die Verunreinigung extrem gering ist, da diese Giftstoffe sich in allen lebendigen Organismen ablagern. Der Mensch ist nunmal einer davon, und wir essen bekanntermassen viele andere. Diese sind beim Verzehr dann zwar schon tot, die Giftstoffe bleiben aber trotzdem innendrin.
Die Folgen können dann ganz schlimme und vor allem heimtückische Vergiftungserscheinungen sein. Diese Heimtücke hat vor allem ihre Ursache in der Langzeitwirkung, wenn wir zum Beispiel regelmässig Wasser aus der Leitung trinken, oder aus Brunnen, aber auch aus Quellen in den Bergen zum Beispiel.
Deshalb soll man in jedem Fall nur Wasser trinken, welches in kurzen Abständen und vor allem verdammt pingelig analysiert wird. Nicht umsonst lernen nicht nur wir, sondern auch alle Kinder bereits in der Schule Begriffe wie Recycling, Sondermüll und Ähnliches. Man kann es eigentlich schon gar nicht mehr hören, aber es ist halt wichtig, Altöl gehört auf jeden Fall zurück zur Tankstelle oder in den eben genannten Sondermüll.
Genau so ist das, sinniert heut ein mächtig schwitzender Kolumnist, der sein Trinkwasser aus diesen und anderen hier auf Mallorca bekannten Gründen nicht aus der Leitung trinkt. Neben benzolhaltigen Verbindungen findet man hier noch so wenig lustige Dinge wie Schwermetallrückstände, zum Beispiel aus alten Bleileitungen, aber nicht nur.
Neben so manch Anderem findet man in unserem Leitungswasser noch so leckere Sachen wie diverse Nitratverbindungen. Spanien ist ganz besonders auch Agrarland, die sollte man nie vergessen. Und was die hier so alles auf die Felder kippen, mein lieber Mann.
Wenn Sie einmal zufällig daneben stehen sollten, wenn dies geschieht, dann empfehle ich Ihnen unbedingt flotten Fusses das Weite zu suchen. Sonst atmen Sie schnell einmal einige Tropfen hochgiftigen Pflanzenschutz-Cocktails ein. Und das können Sie sich ersparen. Denn wie das dann schmeckt, werden Sie, wenn Sie Pech haben, noch früh genug nach Ihrem nächsten Gemüseeinkauf erfahren.
Etwas bittere Grüße gehen denn auch heute einmal an alle Urlauber, nicht nur auf Mallorca und den Balearen, sondern in ganz Spanien. Kauft euer Trinkwasser bloss im Handel, trinkt nur das und benutzt es möglichst auch zum Kochen. Nicht wenige putzen sogar ihre Zähne damit.
Meine beste Grüße gehen als Nächstes wie immer nach Deutschland. Dort kann man in einigen Gegenden das Wasser sogar noch aus der Leitung trinken. Wie lange ist das doch her, dass auch mir dies noch vergönnt war.
Grüße auch an alle anderen hier auf der Insel, die sich heute und die nächsten Tage erst einmal in ihren Häusern und Wohnungen verkriechen werden. Genauso wie ich, die afrikanische Hitze mit teils vierzig Grad und mehr im Schatten, sie hat nun auch Mallorca endgülig im Griff.
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