Des Touristen Spieß
Es ist, als wenn Mallorca weint. Irgend etwas stimmt nicht, sinniere ich, wenn es so weitergeht, wird es diesmal nichts mit den 300 Sonnentagen hier auf der Insel. Es scheint alles so richtig zusammen zu passen, einem Puzzle gleich, es wird Zeit, daß nun kräftig zurückgerudert wird, und zwar von allen, deren Wohl und Wehe hier in einer schon fast dramatischen Weise vom Tourismus abhängig ist.
Das Boomjahr noch im Gedächtnis, lauten die Meldungen über den Saisonauftaktes an Ostern, man glaubt es kaum, schon verhaltener. Wer zwischen den Zeilen liest, zufriedenstellend heißts da offiziell, für den siehts aus, als läuten da schon die ersten Alarmglocken ganz schrill und schrell.
Zufriedenstellend sei sie gewesen, die Bettenauslastung, lautet die Verlautbarung der Hoteliers, die im gleichen Atemzug darüber klagen, daß ihnen die Hotelbewertungen einiger Internetportale wachsende Sorgen bereiten.
Willkommen im Online-Zeitalter. Der immer schnellere Informationsfluß und die damit verbundene größere Transparenz sorgen für stärkeren Wettbewerb nicht nur hier auf Mallorca selbst, sondern auch und vor allem, für stärkeren Wettbewerb in einem globaler gewordenen Absatzmarkt. Der Kunde, in diesem Fall der Reisende, hat immer mehr die Qual der Wahl.
Die bis dato noch starke Bindung zum bisherigen Gastgeberland wird dann schwächer, und dann dann locken sie jetzt noch. Gewaltig locken sie, da drüben, mit ganz niedrigen Preisen, und mit ebenso viel Sonne, Strand und Meer, und mit einer mindestens genauso schönen Natur.
Die wachsende Konkurrenz von der anderen Seite Europas, die Balkanläner jetzt schon vor allem, und die Schwarzmeerländer, sowie die Türkei im besonderen. Die freien Ressourcen dort sind gewaltig. Und, es fließen dort ebenso viele Milliarden an EU-Geldern hin, wie einst hierher, wenn nicht sogar mehr.
Nehmt euch bloß Italien als Vorbild, denke ich mir. Aufs glatte Eis ging man die letzten Jahr, gar wohlgenährten Esel gleich, nun reden dort alle von großem Seich. Sogar der eigene Mann im Land war gar nicht dumm, er drehte den Spieß ganz einfach um. Packt im Sommer jetzt die Sachen schier, denkt, hab genug von eurer Gier, da drüben im Osten gibts so manches schöne Revier.
Meine herzlichen Grüße gehen heute einmal auch an die Italiener, die seit Jahren Kroatien als ihr Urlaubsland erkoren haben, weil sie sich den Urlaub im eigenen Land nicht mehr leisten können. Da auch viele der ausländischen Touristen dort weg bleiben, ist selbst im Sommer dort so mancher Strand halb leer.
Grüße an alle hier auf meiner Insel, und rüber nach Deutschland, Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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